Das Losensteiner Turnier

Diese wohl berühmteste historisch belegte Begebenheit mit den Herren von Losenstein beschreibt ein Turnier, welches anläßlich der Hochzeit des österr. Erzherzogs Ferdinand I. mit Anna von Ungarn ausgetragen wurde. Dieses Turnier wurde auf dem heutigen Linzer Stadtplatz ausgetragen und erregte damals großes Aufsehen.

Dabei errang Sebastian von Losenstein am 26.05.1521 einen denkwürdigen Sieg gegen einen spanischen Ritter.

Die überlieferte Beschreibung des Turniers findet Ihr hier:

Am Dreifaltigkeitssonntag des Jahres 1521 hielt Ferdinand I., Infant von Spanien, mit Anna, Königin von Ungarn und Böhmen, in Linz große Hochzeit. Das für Österreichs Zukunft so entscheidende Fest war auch mit allerlei ritterlichen Waffenspielen verbunden. Dabei schmähte ein spanischer Grande die deutsche Ritterschaft, ja forderte sie schließlich durch ein am Rathaus angeschlagenes, beleidigendes „Cartell" zum Kampf auf Leben und Tod heraus. Sebastian von Losenstein nahm den Fehdehandschuh auf. Beide Streitteile verglichen sich über Tag, Stunde und Einzelheiten des Zweikampfes.

Am 25. Mai zog der Spanier mit großem Prunk und zahlreichem Gefolge durch das Donautor auf den Hauptplatz ein, wo der Kampf stattfinden sollte. Der Herr von Losenstein kam mit nur wenigen Beiständen aus der Klostergasse heraus. Vier Herolde mit rot-weiß gestrichenen Stäben schritten ihm voran. Beide Streiter tummelten zunächst ihre Rosse, setzten dann die Helme auf und stellten sich zum Kampfe. Vor den Turnierschranken war eine Bühne für die zusehenden hohen Herren wie ihre Damen aufgebaut. Die neugierige Volksmenge füllte den Platz bis auf das letzte Fleckchen.

Sebastian von Losenstein (in schwarzer Rüstung rechts mit dem schweren Bihänder) gegen den unbekannten spanischen Herausforderer (in weiß). Gut zu sehen auch das schwarze Pferd des Losensteiners, welches sich in die Nüstern des gegn. Pferdes verbiss...

Zuerst rannten die Gegner mit Spießen gegeneinander. Sie fehlten beide. Darauf griffen sie zum Schwerte. Der körperlich weit überlegene Spanier bedrängte den Oberösterreicher mit Stichen und Schlägen so hart, daß er sich anscheinend kaum mehr mit dem Schild decken konnte. Seine Beistände meinten schon, er sei verloren. Da riß der Losensteiner seinem Hengst den Maulkorb herunter, rief ihm ein Stichwort zu und ließ ihm die Zügel schießen. Sofort verbiß sich das Roß in die Nüstern des spanischen Pferdes und hielt es fest.

Der Losensteiner, welcher bisher seine Kräfte klug geschont hatte, schwang nun mit Macht den Bihänder, hieb dem Spanier den Helm ab, verwundete ihn schwer und hätte ihn auch auf der Stelle getötet, wenn Ferdinand nicht rasch Frieden geboten und Sebastian von Losenstein als Sieger erklärt hätte. Umjubelt von der Menge zog der Sieger ab, nicht ohne erbittert laut zu bemerken, der König habe zu seinen Gunsten nicht eingegriffen, als der Kampf für ihn schlecht stand.

Sebastians Rüstung in heutiger Zeit

Teile der Rüstung, die Sebastian von Losenstein bei diesem Turnier trug, können auch heute noch bestaunt werden. Sie sind zwar nicht an einem Ort gesammelt, doch zeigen wir Euch wo wir diese Teile heute findet:

Sein Helm

Den Helm, den Sebastian von Losenstein bei diesem Turnier getragen hatte, wurde zu Ehren des großartigen Sieges vergoldet und hängt seit seinem Tod in der Grabstätte der Losensteiner - der sog. Losensteiner Kapelle zwischen den Denkmälern von Georg  und Dietmar V. an der Wand.

Sein Schwert

Das Schwert, das Sebastian bei diesem Turnier trug, befindet sich heute im historischen Waffensaal des Schloßmuseum Linz und kann dort jederzeit unter der Inventarnummer C0392 besichtigt werden. Es handelt sich hierbei um einen Bihänder Schweizer Machart. 
 
Dankenswerterweise fertigte das Schloßmuseum Aufnahmen dieses Schwertes für uns an:
 
 
Bidenhänder (Zweihänder)
Deutsch, Anfang 16. Jahrhundert
Eisen, Leder
Oö. Landesmuseum, Inv. Nr. C 392
(c) Oö. Landesmuseum, E.G.

Seine Pferderüstung

Im Landeszeughaus in Graz steht die berühmte "Losensteiner Pferderrüstung" als eines der wertvollsten Exponate. Historische Forschungen gehen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass diese Rüstung - welche Sebastian von Losenstein von dessen Vater Wilhelm von Losenstein erhielt - im berühmten "Losensteiner Turnier" zu Linz verwendete.

Die ausführliche Beschreibung der Pferderüstung findet Ihr HIER.

Quellen:
Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. Wien, 1820, 151, 15. 12. S. 610.
Depiny Adalbert, Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz, 1932., S. 395, Nr. 200
Proschko Franz Isidor, Ein merkwürdiges Turnier in Linz. Der Oberösterreicher, Kalender. Linz, 1856, S. 138.
Die Geschichte von Garsten - Leopold Arthofer 1929
OÖ Landesmuseum - Schloßmuseum Linz
Landeszeughaus Graz

Mehr zu den Losensteinern...

Wenn Sie noch mehr über das Geschlecht der Losensteiner erfahren wollen, so finden Sie hier ein breites Spektrum zu Leben und Wirken dieses einst mächtigen OÖ Geschlechtes:

Der Beginn - Etablierung des Adelsgeschlechts der Losensteiner
Das Wappen - Entstehung & Spuren in die Gegenwart
Die Burgen - ausführliche Beschreibung der Losensteiner Besitztümer
Das Turnier - detaillierte Beschreibung des berühmten "Losensteiner Turniers"
Die Geschichten - wahre Geschichten über die Losensteiner
Die Biographien - Lebensbeschreibungen berühmter Losensteiner
Der Stammbaum - der vollständige Stammbaum mit sämtlichen Kindern
Die Spuren - Hinweise auf die vielfältigen Einflüsse im deutschsprachigen Raum
Die Grabstätte - alle Details über die sog. "Losensteiner Kapelle"
Der letzte Losensteiner - Franz Anton, Reichsfürst von Losenstein
Die Religion - Die Losensteiner in Reformation & Gegenreformation